Von A wie Ableismuskritik bis Z wie Zähneputzen – Ein Rückblick auf die Auftakttagung des neuen AdB-Projekts SPREAD
Am 2. und 3. September 2025 präsentierte das AdB-Projekt „SPREAD“ mit der Fachtagung „Ableismuskritik. Inklusion. Empowerment – Politische Bildung und Teilhabe“ den offiziellen Auftakt für ein mehrjähriges Vorhaben, das sich im Kontext der diversitätsorientierten Verbandsentwicklung mit dem Thema Ableismus auseinandersetzt.
Im Hotel Rossi, einem Inklusionsbetrieb, in dem Menschen mit und ohne Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt zusammen arbeiten, trafen sich 60 engagierte Fachpersonen aus vielen Bereichen der politischen Bildung, um über die Notwendigkeit, diese ableismuskritischer und inklusiver zu gestalten, zu sprechen.
Den Beginn der Tagung gestaltete Stefanie-Lahya Aukongo mit eigenen Spoken Word Gedichten und legte damit den Grundton für das Miteinander auf der Tagung: die Auseinandersetzung mit Kopf und Gefühl, das Wahrnehmen verschiedener Bedürfnisse und das ernst nehmen der eigenen Verantwortung beim Gestalten von Räumen. Oder um es in Aukongos Worten zu sagen: „Bin ich wirklich zu viel, oder ist eure Welt immer noch zu klein?“.
Stefanie-Lahya Aukongos Einstieg und die nachfolgenden Impulse machten die Bandbreite der Themen deutlich, die die Teilnehmenden über die Tagung begleiteten. Karin Pritzel, Co-Vorsitzende des AdB und Geschäftsführerin des Herbert-Wehner-Bildungswerks e. V., berichtete in ihrer Begrüßung von den Barrieren im Alltag und von dem oft fehlenden Verständnis für Barrierearmut. Ina Bielenberg, Geschäftsführerin des AdB, sprach von der Notwendigkeit, Leerstellen zu erkennen und Ableismuskritik auch im AdB umzusetzen. Frieder Kurbjeweit vom Deutschen Institut für Menschenrechte fragte, wie politische Bildung tatsächliche Selbstbestimmung befördern und Entmachtung im Lebensalltag von Menschen mit Behinderung begegnen kann. In allen Beiträgen wurde deutlich, dass es ein Recht auf Bildung für alle gibt, und dass dies auch im Kontext der politischen Bildung umgesetzt werden muss.
Angela Smessaert, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ, bot den Teilnehmenden einen Ausblick auf zwar schon lange rechtlich geltendes, aber dann doch vielleicht wirklich 2028 vereinheitlichtes Recht auf Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe. An moderierten Tischen wurde dann über Anknüpfungspunkte aus den Redebeiträgen an die eigene Praxis gesprochen. Im Mittelpunkt standen gute und weniger gute Erfahrungen, Handlungsmöglichkeiten und erlebte Diskriminierung im Kontext politischer Bildung. Darüber hinaus fanden sich viele Möglichkeiten für den Austausch – bei Kaffee und Gazpacho.
Der Film „Sins Invalid“ sandte die Anwesenden mit Fragen von Repräsentanz und (Un)Sichtbarsein in den Abend.
Am nächsten Morgen boten vier parallele Workshops die Möglichkeit für einen tieferen themenspezifischen Einstieg. So ging es um praktische Umsetzung von Barrierefreiheit – zur Not auch mit Gaffa-Tape, darum, Kompliz*innen in der Zusammenarbeit zu werden, und nicht nur die Grenzen, sondern umso mehr vielfältige Expertisen wahrzunehmen und einzubinden. Die Workshops deckten verschiedene Bereiche von politischer Bildung sowie Bildungsstätten ab: Entwicklung von barrieresensiblen Methoden, inklusive Gedenkstättenfahrten, arbeiten in einem inklusiven Team und bauliche Veränderungen für mehr Barrierefreiheit.
Ein Podiumsgespräch mit Stefanie-Lahya Aukongo, Robert Jasko und Philipp Hill, moderiert von Antje Barten, gab allen Impulse zur Weiterarbeit mit auf den Weg: Bündnisse mit Interessensvertretungen schließen, aktiv Plätze freimachen und Barrierefreiheit üben wie Zähneputzen – um nur einige Gedanken des Podiums zu nennen.
Izabela Zarębska, Alte Feuerwache e. V. – Jugendbildungsstätte Kaubstraße, fasste die Tagung mit Lyrical Recording zusammen. Sie schlug eine Umdeutung der Projekt-Abkürzung „SPREAD“ vor:
S – Superkraft
P – Passion
R – radikale Bereitschaft
E – Emanzipation
A – Anspruch
D – dauerhaft
Die Kolleginnen des Projekts SPREAD und der AdB insgesamt freuen sich darauf, gemeinsam mit Kooperationspartner*innen und Mitgliedsorganisationen die (Super)Kräfte zu bündeln und in den kommenden Jahren gemeinsam zu lernen und miteinander zu wachsen – an und über Barrieren hinaus.
Das AdB-Projekt „SPREAD – Sensibilisierung, Politische Bildung, Reflexion, Empowerment, Ableismus-Dekonstruktion“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
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