Zwei Pappstücke mit den Aufschriften 'Europa' und 'Afrika' liegen auf dem Holzboden, umgeben von Papierstücken mit gezeichneten Kakaobohnen und Schokoladentafeln, im Hintergrund sind Beine und Schuhe von Personen sichtbar

Praxisbericht Villa Fohrde e. V.: Eat the Change – wie wir essend die Welt fairer machen können

Essen umgibt uns täglich und nur selten geht es um die Frage, woher die Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen Menschen für die Herstellung gearbeitet haben. Um diesen Fragen nachzugehen, hieß es vom 19. bis 21. Januar 2026 für 21 Auszubildende aus Brandenburg: raus aus dem Alltag und rein ins Seminarvergnügen – willkommen in der Bildungsstätte Villa Fohrde e. V.

Welchen Einfluss hat Ernährung auf die Klimakrise? Was hat Konsum mit sozialer Gerechtigkeit zu tun? Wie müssten politische und wirtschaftliche Strukturen aussehen, die auch denen ein gerechteres Leben ermöglichen, die die Lebensmittel herstellen? Während der drei Tage gingen die Jugendlichen im Alter von 16-26 Jahren in der Villa Fohrde e. V. diesen Fragen nach und erlebten am zweiten Tag wohl die meisten überraschenden Erkenntnisse.

Da ging es nämlich um die Bohne, genauer: die Kakaobohne. „Was? – 70 Prozent des weltweit angebauten Kakaos kommen allein aus Côte d‘Ivoire, Ghana, Nigeria und Kamerun? Das hätte ich nicht gedacht!“ Am „Weltverteilungsspiel“ wurde deutlich, wie groß die globalen Dimensionen des Ungleichgewichts zwischen Produktion und Konsum sind. Für den Ansatz hatte die Villa Fohrde einige Kernfaktoren wie Weltbevölkerung, Bruttonationaleinkommen, CO2-Ausstoß um das Verhältnis von Kakaoproduktion und Kakaokonsum erweitert. Denn nur etwa 2 Prozent des globalen Schokoladenkonsums finden auf dem afrikanischen Kontinent statt. Für die meisten Menschen in Deutschland hingegen gehört Schokolade bereits zum Alltag.

An unterschiedlichen Stationen setzten sich die Teilnehmenden mit den Arbeitsbedingungen auf Kakaoplantagen, der Marktmacht der Schokoladenindustrie, unfairer Preispolitik, Kinderarbeit sowie Pestizideinsatz und aus alldem folgenden Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt auseinander. Dass es Kakaoalternativen aus gerösteten Sonnenblumenkernen bereits in den Regalen der Supermärkte gibt, war für viele völlig neu und wurde beim Schokoladen-Tasting gleich probiert.

Im anschließenden Walk & Talk wurde darüber diskutiert, dass Kakaoalternativen in Bezug auf Regionalität sowie geringeren Energie- und Wasserverbrauch eine bessere Klima- und Umweltbilanz aufweisen, jedoch nicht die globalen sozialen Ungerechtigkeiten verhindern. Hier sind regionale Unternehmen, die die Schokoladenproduktion in Ländern wie Ghana vor Ort stärken sowie internationale Lieferkettengesetze entscheidende Hebel.

Wissen zu vermitteln ist das eine, Reflexion und Bewusstseinsbildung anzuregen und Handlungskompetenzen zu stärken sind die anderen wesentlichen Elemente der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Um Konfliktlinien wie im Beispiel Kakaoproduktion und -konsum aufzudecken, vermeintliche Lösungen zu hinterfragen und Handlungsstrategien für eine gerechte und nachhaltige Zukunft kennenzulernen, dienten diese drei aus dem Alltag herausgenommenen Seminartage.

Villa Fohrde e. V. ist Teil der Fachgruppe „Klimakrise und sozial-ökologische Transformation“ im Programm „Politische Jugendbildung im AdB“.