Mehrere Personen schaufeln Erde in eine Schubkarre auf einer Wiese vor einem Gebäude mit Fahrradständern

Praxisbericht Stätte der Begegnung e. V.: „Leo Changer – Tiny Forest“: Politische Bildung, die Wurzeln schlägt

Wie wird aus Wissen über Nachhaltigkeit gesellschaftliches Handeln? Das Projekt „Leo Changer – Tiny Forest“ der Bildungsstätte Stätte der Begegnung e. V. zeigt, wie politische Jugendbildung junge Menschen dazu befähigen kann, ihre Lebenswelt aktiv und nachhaltig mitzugestalten.

Vom 15. bis 18. April 2026 wurde der Schulhof des Leo-Sympher-Berufskollegs in Minden zur Mitmach-Baustelle: Über 40 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren setzten den Höhepunkt eines zweijährigen Bildungsprozesses um und realisierten ihren eigenen Tiny Forest. Was dabei entstand, war weit mehr als eine bepflanzte Fläche, es war das sichtbare Ergebnis eines partizipativen Lern- und Gestaltungsprozesses. Begleitet durch die Stätte der Begegnung e. V. setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit den Grundlagen der Agenda 2030, den 17 Nachhaltigkeitszielen und den politischen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung auseinander. Sie entwickelten eigene Fragestellungen, arbeiteten in Teams und wurden durch fachliche Impulse zu Expert*innen für verschiedene Aspekte ihres Vorhabens. Aus theoretischem Wissen wurde konkretes Engagement: Die Jugendlichen erfuhren, dass sie selbst Einfluss nehmen und Veränderungen in ihrem direkten Umfeld anstoßen können.

Der Weg bis zum ersten Spatenstich forderte großes, außerschulisches Engagement. Aus dem ersten Wunsch, sich aktiv einzubringen, wuchs Schritt für Schritt ein Plan. Während der Vorbereitungszeit holten sich die Teilnehmenden die Standort-Genehmigung der Stadt ein, ließen den Boden analysieren und eigneten sich das nötige Fachwissen an. Sie verknüpften komplexe globale Zusammenhänge mit regionalem Handeln und holten sich gemeinsam mit der Stätte dafür Rat von verschiedenen Fachleuten z. B. von MIYA-Forest e. V. bis hin zum Handwerk.

Im Zentrum stand die Idee eines „Tiny Forest“. Ein Tiny Forest ist ein dichter, schnell wachsender Mini-Urwald auf kleinster Fläche (ca. 230 m³), der als hocheffektiver CO₂-Speicher, Schattenspender und Hotspot für Artenvielfalt und Biodiversität in der Stadt funktioniert. Für die Jugendlichen bedeutete dies weit mehr als nur Naturschutz. Es war ihr selbstgewähltes Lernfeld, auf dem sie erlebten, eigene Interessen politisch zu vertreten, Budgets zu planen und Verantwortung für die Zukunft ihres Lebensraums zu übernehmen.

In der viertägigen Projektwoche wurde die Vision schließlich Realität. Die jungen Erwachsenen koordinierten die Baustelle eigenverantwortlich, bereiteten den Boden auf, zimmerten den Schutzzaun und pflanzten die Bäume. Trotz straffer Zeitpläne und dichter logistischer Phasen war die Aktion ein voller Erfolg. Das Feedback zeigt große Begeisterung über den hohen Grad an Selbstbestimmung.

Der Praxisbericht macht deutlich, welche besondere Wirkung außerschulische politische Bildungsarbeit entfalten kann: Sie schafft Räume für Beteiligung, fördert demokratische Handlungskompetenz und ermöglicht jungen Menschen, Selbstwirksamkeit unmittelbar zu erleben. Der Tiny Forest steht damit als wachsendes Symbol für eine Bildungsarbeit, die junge Menschen nicht nur über Zukunftsfragen informiert, sondern sie darin stärkt, Zukunft aktiv mitzugestalten. Die Teilnehmenden sind nachhaltig befähigt, eigene Initiativen zu planen und Prozesse eigenständig anzustoßen.