Ein zweitöckiges Haus mit weißer Fassade und Natursteinsockel, Außentreppe steht in einer verschneiten Gartenanlage. Blauer Himmel.

Praxisbericht Alte Feuerwache/Jugendbildungsstätte Kaubstraße: Gemeinsam sprechen, streiten und entscheiden

Zwischen dem 1. und 3. Dezember 2025 wurde die Alte Feuerwache e. V. / Jugendbildungsstätte Kaubstraße zum Lern- und Begegnungsort für acht Schüler*innen der Ruth-Cohn-Schule, einem Berliner Oberstufenzentrum. Gemeinsam setzten sie sich mit Fragen von Vielfalt und gesellschaftlicher Teilhabe auseinander, in einem Rahmen, der politische Bildung erfahrungsorientiert, niedrigschwellig und nah an den Lebenswelten der Teilnehmenden ermöglichte.

Von Beginn an stand fest: Dieses Seminar soll für die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren kein Frontalformat sein. Mit spielerischen Methoden, Gruppenübungen und offenen Gesprächsrunden wurden Zugänge geschaffen, die Beteiligung erleichterten und Vertrauen förderten. Die Seminarsprache Arabisch spielte dabei eine zentrale Rolle. Sie wirkte wertschätzend und öffnend und ermöglichte es den Teilnehmenden, sich differenziert auszudrücken, eigene Erfahrungen zu teilen und aktiv mitzudiskutieren.

Schnell entwickelten sich intensive Gespräche über Flucht- und Diskriminierungserfahrungen, über Zugehörigkeit, Ausgrenzung und alltägliche Hürden im Bildungssystem und darüber hinaus. Dabei wurden strukturelle und institutionelle Barrieren sichtbar, die gemeinsam reflektiert und sichtbar gemacht wurden. 

Demokratie wurde im Seminar nicht nur besprochen, sondern konkret erlebt. Die Jugendlichen waren in Entscheidungsprozesse eingebunden, gestalteten Inhalte mit und handelten Regeln gemeinsam aus. 

Unterschiedliche Perspektiven wurden gehört, Konflikte offen angesprochen und produktiv bearbeitet. Ein besonderer Fokus lag zudem auf Empowerment und Gruppendynamik. Gemeinsame Aktivitäten abseits des Seminarraums, etwa ein gemeinsamer Bowling-Ausflug, stärkten den Zusammenhalt und eröffneten Zugänge zu Freizeitangeboten, die den Teilnehmenden sonst oft verwehrt bleiben.

Das Seminar war geprägt von Offenheit, Vertrauen und hoher Beteiligung. Aus den gemeinsamen Tagen entstand zudem die Idee für ein weiterführendes, längerfristiges Projekt im Nachmittagsbereich. Darin sollen kreative Methoden, Sprachmittlung und Teilhabeförderung im Mittelpunkt stehen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass politische Bildung hier nicht endete, sondern Anschluss gefunden hat.

Die Alte Feuerwache e. V. / Jugendbildungsstätte Kaubstraße in Berlin ist als Teil der Fachgruppe „Rassismus und Antisemitismus“ im „Programm für politische Jugendbildung im AdB“ aktiv.