Große Gruppe von Menschen in einem Saal im Halbkreis vor einer Leinwand mit der Aufschrift 'CRITICAL YOUTH WORK?'

„Have you ever thought about …“ (non)conference Critical Youth Work in Weimar

23. August 2026 in der EJBW: Am Nachmittag treffen nach und nach Menschen aus ganz unterschiedlichen Weltregionen ein und checken für die (non)conference „Critical Youth Work“ ein. Die Neugier auf das, was in den kommenden Tagen passieren wird, ist spürbar. Überall liegen Postkarten mit der Frage „Have you ever thought …“ – ja, worüber eigentlich? Gleichzeitig macht sich eine gewisse Geschäftigkeit breit. Und die sollte die nächsten sechs Tage anhalten.

Am Abend ging es dann in der Stiftung „Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar“ (EJBW) mit der (non)conference los, die bis zum 28. August 2026 dauerte. 90 Youth Worker*innen aus Bildungspraxis, Jugendarbeit, Social Action, Jugendforschung, internationalen Mittlerorganisationen und weiteren Institutionen waren zusammengekommen – aus all jenen Feldern, die in deutschsprachigen Kontexten mit den Anliegen politischen Bildens verbunden werden. Die Teilnehmer*innen kamen aus 32 Ländern. Der Begriff (non)conference galt dabei wörtlich: „Seid ihr bereit, eure Komfortzonen zu verlassen und euch auf Begegnungen und Auseinandersetzungen einzulassen, die eben nicht vorhersehbar sind?“ Non-formales Lernen als Kombination von Happening, Experiment, Clash und Diskussion war gewollt – ebenso wie Anteilnahme, gemeinsames Probieren und Suchen.

Als Fachkräfte in Youth Work waren die Teilnehmenden in mehrfacher Hinsicht herausgefordert: von den sich rapide ändernden Verhältnisse, in denen junge Menschen heute ein Standing finden müssen, aber auch angesichts erodierender Gewissheiten selbst ein Standing in den eigenen Ansätzen zu entwickeln. Und die große Frage war: Haben wir wirklich Antworten? Wollen wir uns darauf einlassen, was junge Menschen wirklich bewegte? Müssen wir unsere Ansätze neu denken – und wie ließe sich das umsetzen?

In über 40 Aktivitäten bot „Critical Youth Work“ Aushandlungsräume, die non-formales Lernen ernst nahmen und konzeptionell zum Ausgangspunkt machten – sei es der nächtliche Factory-Prozess „The Hands U Knite“, das „Critical Cook Story Telling Lab“, das Tanzexperiment „The Democratic Embrace. Power, Agency and Negotiation in Tango Argentino“, Überlegungen zu „Critical Youth Futures in an Era of Predictive Surveillance“, der Blick auf „inconvenient youth and troublemakers as resource“ oder naturorientierte Bildungsansätze, die eine Perspektive des Besinnens und Sinn-Öffnens in einer digital co-mediierten Welt neu dachten.

Während der fünf Tage fanden intensive Auseinandersetzungen auf ganz unterschiedlichen Ebenen statt: mit dem eigenen persönlichen Zugang und Bildungsverständnis, mit dem jeweiligen Zugang zu Fragen und Themen, wie sie junge Menschen formulierten, und mit dem Zugang zu Jugend, Jugendarbeit, Bilden, Deuten und Bearbeiten der ganz großen gesellschaftlichen und globalen Problemlagen. Friedensarbeit und Youth Governance waren ebenso Thema – sei es aus der politischen Ebene der UN YPS Agenda oder der Europäischen Jugendpolitik heraus oder mit Blick auf die Initiativen junger Menschen, die ihre Arbeit zu Frieden und Krieg sowie ihr unmittelbares solidarisches Engagement formulieren und gestalten.

Wie funktioniert eigentlich kritisches Denken und wie kann man diesem Anspruch an und durch Bildungsarbeit tatsächlich gerecht werden? Diese große Diskussion wurde wiederholt geführt und ließ es mehrfach so richtig clashen.

Schließlich wurde „Critical Youth Work“ als Materialisierung non-formalen Lernens beschrieben, wie es ein Zitat eines Beteiligten aus der AdB-Fachkommission Europäische und Internationale Bildungsarbeit (EIA) fasste: „Jedes Mal, wenn man ins Reithaus kam, stand oder hing da wieder ein neues Werk, das einen zur Beobachtung, zum Nachdenken und in Dialog zu treten aufforderte – crazy.“

Es fällt schwer, eine Quintessenz zu ziehen. Politische Bildung sollte sich vielleicht aktiver daran machen, sich selbst zu verlernen. Youth Work bietet eine Terminologie, die helfen könnte, sich auch in einem völlig anders fokussierten, formalen Bildungsdiskurs als Feld non-formalen Lernens abzugrenzen und selbstbewusst zu behaupten. Beeindruckend war, dass die Vertreter*innen aus Praxis und Jugendforschung die Terminologie für sich wie selbstverständlich aufgriffen und in der Lage waren, sie aus ihrem jeweiligen Kontext heraus mit Sinn zu füllen.

Für das Gelingen von Critical Youth Work ist zunächst den über 90 Mitwirkenden zu danken, die die Offenheit, den Enthusiasmus und die Energie mitbrachten. Zu danken ist dem engeren achtköpfigen internationalen Team, das die Vorbereitung seit November 2025 gestemmt hat, und den Mitwirkenden aus der AdB EIA-Kommission, aus dem DARE Network und aus dem Teamendenkreis der ersten CYW-Konferenz!

Ermöglicht wurde die (non)conference durch die finanzielle Förderung über Erasmus+, die EJBW, die längerfristige Förderung des KJP, sowie über das DARE Network.

Ihre Ansprechperson

Georg Pirker
Georg Pirker

Georg Pirker

Referent für internationale Aufgaben

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E-Mail: pirker [at] adb.de (pirker[at]adb[dot]de)