Gruppe von Menschen sitzt und steht auf einer Treppe vor einem historischen Gebäude mit Säulen und Rundbogenfenstern.

Mit demokratischer KI politische Kinder- und Jugendbildung gestalten: Kommission Kinder- und Jugendbildung tagt im wannseeFORUM

Vom 14. bis 15. September 2026 kam die AdB-Fachkommission Kinder- und Jugendbildung zu ihrer Herbstsitzung in Berlin zusammen. Neben dem Austausch zu aktuellen Themen der Einrichtungen und zu förderpolitischen Fragen setzte die Kommission am zweiten Tag einen Schwerpunkt auf den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der politischen Kinder- und Jugendbildung.

Rückblick auf ein bewegtes Halbjahr

Zum Auftakt der Sitzung in der Stiftung wannseeFORUM berichteten die Kolleg*innen aus den Mitgliedseinrichtungen, was sie aktuell beschäftigt – von neuen Projekten bis zu strukturellen Herausforderungen vor Ort. Im Anschluss daran standen die Ergebnisse der Beteiligungsworkshops zur Weiterentwicklung des Programms „Politische Jugendbildung im AdB“ im Fokus. Diskutiert wurde, wie das Programm noch stärker auf die Bedarfe der Mitgliedseinrichtungen zugeschnitten werden kann.

Ein weiterer Programmpunkt war der Austausch zu aktuellen förderpolitischen Weichenstellungen der Bundesregierung, insbesondere mit Blick auf die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Der Bericht aus Geschäftsstelle und Vorstand rundete den ersten Tag ab, bevor die Kommission bei einem Rundgang durchs Haus und einem geselligen Abend Gelegenheit zum informellen Austausch nutzte.

Demokratische KI als Kompass: der Code of Conduct des AdB

Den inhaltlichen Schwerpunkt der Sitzung bildete an zweiten Tag das Thema „Demokratische KI“: Tim Schrock, AdB-Referent für den Bereich Digitale politische Bildung, stellte den Code of Conduct „Demokratische KI“ vor, den der AdB gemeinsam mit rund 40 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen erarbeitet hat – koordiniert durch den Verein D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Künstliche Intelligenz überwiegend von wenigen großen Tech-Unternehmen entwickelt und häufig als „Black Box“ genutzt wird: Herkunft und mögliche Verzerrung der Trainingsdaten bleiben oft im Dunkeln, ebenso die Arbeitsbedingungen der beteiligten Clickworker*innen, die Vertraulichkeit der Nutzung oder der Energieverbrauch. Die Zivilgesellschaft, so der Tenor des Inputs, sollte an den eigenen Umgang mit KI höhere Maßstäbe anlegen und nicht nur auf rein kommerzielle Anbieter setzen.

Der Code of Conduct entstand von Mitte 2024 bis Ende 2025 in mehreren Etappen – von den White Paper „KI und Freiheit“ und „KI und Gerechtigkeit“ über eine Feedbackrunde aus der Zivilgesellschaft bis zum White Paper „KI und Solidarität“ – und wurde im November 2025 erstmals zur Unterzeichnung freigegeben. Inzwischen haben ihn über 150 Organisationen mitgezeichnet. Er versteht sich als Verhaltenskodex und Orientierungshilfe für eine eigene KI-Richtlinie in den Mitgliedseinrichtungen und formuliert acht Grundsätze – von der Abwägung der Nutzung über Menschenzentrierung, Transparenz, Teilhabe und eine diskriminierungskritische Haltung bis zu Verantwortung, Kompetenzaufbau und ökologischer Nachhaltigkeit. Ergänzend berichtete Tim Schrock von einem im Aufbau befindlichen KI-Methodenkoffer: Rund 15 Methoden und Workshops zu den einzelnen Themenfeldern des Code of Conduct entstehen derzeit beim AdB – Rückmeldungen und weitere Praxisbeispiele sind ausdrücklich willkommen! Die Kommissionsmitglieder wurden eingeladen, den Code of Conduct zu verbreiten, ihn in ihren Netzwerken bekannt zu machen und eigene Beiträge für den Methodenkoffer beizusteuern.

KI in der Praxis: Einblicke aus dem wannseeFORUM

Im Anschluss gab Annette Ullrich einen Einblick in die Jugendbildungsarbeit der Stiftung wannseeFORUM. Digitalität und der reflektierte Einsatz von KI gehören dort seit Langem zu ihren Arbeitsschwerpunkten. Für die Kommission war der Praxisbericht eine wertvolle Ergänzung zum eher grundsätzlichen Blick des Code of Conduct – und zeigte, wie sich dessen Grundsätze in der konkreten Seminararbeit mit jungen Menschen wiederfinden lassen.

Reflexion und Ausblick

Zum Abschluss reflektierte die Kommission, welche Impulse sie aus den beiden KI-Beiträgen für die eigene Arbeit mitnimmt. Die nächsten Sitzungen sind terminiert: Vom 13. bis 15. April 2027 trifft sich die Kommission im Salvador-Allende-Haus in Oer-Erkenschwick und vom 22. bis 23. September 2027 im Haus Neuland in Bielefeld.

Ihre Ansprechperson

Sebastian Bock
Sebastian Bock

Sebastian Bock

Stellvertretende Geschäftsführung, Bereichsleitung Kinder- und Jugendbildung

Telefon: +49 30 40040115

E-Mail: bock [at] adb.de (bock[at]adb[dot]de)