Bewahren – Reponieren – Kassieren. Die Bedeutung historisch-politischer Bildung in der politischen Erwachsenenbildung
Die AdB-Fachkommission Erwachsenenbildung tagte vom 24.–26. September 2025 im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn. Schwerpunkte waren die historisch-politische Bildung, mit einem besonderen Blick auf Archive als Lernorte sowie die aktuelle Situation der politischen Erwachsenenbildung.
Das Gustav-Stresemann-Institut, das die Kommission bei dieser Sitzung beherbergte, war nur die Ausgangsbasis für die Kommissionsmitglieder, hatten sie doch die Möglichkeit, sowohl die Friedrich-Ebert-Stiftung und deren Archiv zu besuchen, als auch den neuen Standort der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
Der erste Themenschwerpunkt – die historisch-politische Bildung als Grundlage politischer Erwachsenenbildung – wurde eingeführt durch einen Vortrag von Thammo Draeseke, Mitglied in der Kommission aus dem GSI Bonn. Er stellte verschiedene Formen des historischen Lernens vor, nahm das Verhältnis politischer Bildung und historischen Lernens in den Blick und machte an der Studie „Pluralität der Geschichte(n)? Holocaust Education in der Migrationsgesellschaft“ von Elisabeth Lang deutlich, wie politische Erwachsenenbildung die Pluralität von Geschichte(n) und die vielfältigen Narrative ihrer Zielgruppen berücksichtigen kann und muss: Wie entgeht man der Gefahr der Erinnerungskonkurrenzen? Was wird erinnert? Wie wird der Tatsache Rechnung getragen, dass wir in einer Migrationsgesellschaft leben?
In einem zweiten Vortrag stellte Sandra Czaja, Mitarbeiterin in der AdB-Geschäftsstelle, die Möglichkeiten der Arbeit mit und in Archiven vor und machte durch verschiedene Beispiele deutlich, welche Potenziale in diesem Lernort für die politische Bildung stecken: Sie schaffen Transparenz, ermöglichen kritische Quellenarbeit und machen marginalisierte Perspektiven sichtbar. Sie fördern so Geschichtsbewusstsein, Medienkompetenz und die Stärkung demokratischer Werte.
Ein Rundgang durch das Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung schickte die Kommissionsmitglieder – angeregt durch das umfassende Detailwissen des Archivmitarbeiters Peter Pfister – in die beeindruckenden Tiefen der Sozialen Demokratie. Im Gespräch wurde deutlich, dass die Archivalien zwar für die politische Bildung genutzt werden können, aber die Friedrich-Ebert-Stiftung selbst ihr Archiv (bisher) kaum als Lernort nutzt.
Der zweite Schwerpunkt der Kommissionssitzung, die aktuelle Situation der Träger und der Einfluss rechtspopulistischer und rechtsextremer Wahlerfolge auf die politische Bildung, wurde in einem sehr offenen und interessanten Gespräch mit Alexander Klenk und Arno Barth, beide Mitarbeiter in der Abteilung „Grundsatz, Strategische Planung und Kommunikation“ der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) aufgegriffen. Diskutiert wurden unter anderem die strukturellen Rahmenbedingungen der Arbeit der bpb sowie die Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rechtspopulismus auf politische Bildung und Förderung. Die Kommissionsmitglieder konnten aus ihrer Praxis berichten und Wünsche an die bpb formulieren.
Abgerundet wurde die Sitzung mit Gesprächen über die aktuelle Lage der Träger, die neuesten Entwicklungen zum Thema Bildungsurlaub/Bildungszeit sowie mit den Überlegungen, welche Angebote die Kommissionsmitglieder zum Thema „Professionalisierung durch Qualifizierung“ machen können, das bei der gemeinsamen Sitzung aller Kommissionen im AdB im März 2026 im Fokus stehen wird.
Die Sitzung verdeutlichte, dass politische Erwachsenenbildung angesichts gesellschaftlicher Polarisierungen und wachsender rechtspopulistischer Einflüsse vor besonderen Herausforderungen steht. Historisch-politische Bildung bleibt dabei eine zentrale Grundlage, denn sie hilft, aktuelle Entwicklungen einzuordnen und für die politische Instrumentalisierung von Geschichte zu sensibilisieren. Erkundungen (z. B. in Archiven), die Befragungen (z. B. von Zeitzeugen), die Aufarbeitung für Bildungsmaterial, Gespräche mit Wissenschaft und Politik bietet dafür wichtige Anregungen.
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