Professionalisierung durch Qualifizierung. Einhundert Kolleg*innen aus AdB-Mitgliedseinrichtungen treffen sich zum fachlichen Austausch
Anfang März 2026 kamen fast einhundert Kolleg*innen aus den Mitgliedseinrichtungen des AdB im Gustav-Stresemann-Institut Bonn zusammen, um sich über ihre Praxis, Angebote und aktuellen Themen auszutauschen, gegenwärtige Herausforderungen zu formulieren und gemeinsam an der Weiterentwicklung der Profession politischer Bildung zu arbeiten.
Die AdB-Fachkommissionen sind der Ort für den fachlichen Austausch und die Fortbildung der Kolleg*innen in den Mitgliedseinrichtungen des AdB. Die Kommissionen Kinder- und Jugendbildung, Erwachsenenbildung, Europäische und Internationale Bildungsarbeit, Geschlechterreflektierte Bildung sowie die Kommission Verwaltung und Finanzen treffen sich jeweils zweimal jährlich in unterschiedlichen Mitgliedseinrichtungen. Einmal in der vierjährigen Legislatur – so die Idee – wird ein gemeinsames Treffen geplant, das das Ziel hat, den fachübergreifenden kollegialen Austausch zu ermöglichen, die Zusammenarbeit und Beratung über Kommissionsgrenzen hinweg zu stärken und sich einem gemeinsam verabredeten Thema zu widmen.
Thematischer Schwerpunkt dieses Treffens im Gustav-Stresemann-Institut Bonn e. V. war das Thema „Professionalisierung durch Qualifizierung“. Mit einem gemeinsamen Einstieg in den Schwerpunkt am mittleren Tag und einer darauffolgenden ganztägigen Workshopphase konnten in 20 – zum Teil parallel laufenden – Sessions verschiedene Perspektiven auf das Thema geworfen werden. Kolleg*innen aus den Kommissionen und aus der AdB-Geschäftsstelle boten Workshops z. B. zu folgenden Themen an:
- Qualifizierungsmodelle in der internationalen politischen Bildung
- Wissensmanagement und informelles Lernen
- (Selbst)Reflexion als Qualitätssicherung
- European Youth Work Agenda im AdB
- Fort- und Weiterbildung für Lehrpersonal durch Akteure außerschulischer politischer Bildung
- Fortbildung/Qualifizierung von Nebenamtlichen; Arbeiten mit dem Kompetenzprofil
- Basic Skills – geschlechterreflektiert arbeiten
- Die Entwicklung von Schutzkonzepten
- Spielerische Bildungsformate anleiten lernen
Am ersten und dritten Tag hatten die Kommissionen die Möglichkeit, ihre Kommissionsarbeit fortzusetzen. Aber auch hier waren, mitunter kommissionsübergreifend, die Themen Qualifizierung und Professionalisierung wichtig:
Kommission Kinder- und Jugendbildung
Die Kommission Kinder- und Jugendbildung tagte unter der Leitung von Ann-Kathrin Leide (Internationales Forum Burg Liebenzell e. V.), Jenny Howald (Bildungsteam Berlin Brandenburg e. V.) und Tim Scholz (Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein e. V.). Ein Schwerpunkt der Sitzung war die Qualifizierung freiberuflicher Teamer*innen. Nico Schneider (AdB) stellte das Kompetenzprofil für Fachkräfte der politischen Jugendbildung des AdB vor und erläuterte dessen Entstehungsprozess sowie mögliche Anwendungsfelder in der Praxis der politischen Bildung. Anschließend präsentierten Felicitas Raith (Max Mannheimer Haus – Studienzentrum und Internationales Jugendgästehaus), Verena Hauk (Anne Frank Zentrum) und Carola Brindöpke (Haus Neuland e. V.) ihre jeweiligen Ausbildungskonzepte für freie Mitarbeitende. In anschließenden Kleingruppen wurde diskutiert, wie Träger ihre Teamer*innen qualifizieren, welche Voraussetzungen dafür notwendig sind und ob gemeinsame Fortbildungsangebote im AdB sinnvoll sein könnten.
Grundsätzlich wurde begrüßt, trägerübergreifende Fortbildungsformate zu entwickeln, da viele Themen organisationsübergreifend relevant sind und eine gute Ergänzung zur spezifischen Einarbeitung bei den einzelnen Trägern darstellen könnten. Gleichzeitig wurden Herausforderungen benannt, etwa Fragen der Qualitätssicherung, unterschiedliche Qualitätsstandards, große Entfernungen sowie die Finanzierung von Reisekosten. Auch wurde diskutiert, ob Zertifizierungen sinnvoll sein könnten – ein Vorschlag, der in der Runde unterschiedlich bewertet wurde. Zudem stellte sich die Frage, wie freiberufliche Mitarbeitende stärker zur Teilnahme an Fortbildungen motiviert werden können.
Am dritten Tag setzten sich die Kommissionsmitglieder gemeinsam mit der Kommission Geschlechterreflektierte Bildung mit dem Prozess zur Neukonzeption der Förderung der Jugendbildung im AdB ab 2029 auseinander. In diesem Rahmen gaben Rebecca Arbter und Sebastian Bock aus der AdB-Geschäftsstelle zunächst einen Überblick zu den Hintergründen und den geplanten Bausteinen des Prozesses sowie zum Ablauf der ab Mitte April 2026 geplanten Beteiligungsworkshops. Im Fokus dieser Workshops wird die Frage stehen, wie eine zukunftsfähige Förderung gestaltet werden sollte. Die inhaltlichen Diskussionen und das Sammeln von Ideen hierzu werden im Rahmen der Workshops Raum finden. Zu diesen haben sich bereits einige Kommissionsmitglieder angemeldet, weitere Anmeldungen sind herzlich willkommen. Beide Kommissionen brachten anschließend ihre Fragen und Anmerkungen zum Prozess ein.
Kommission Erwachsenenbildung
Die Kommission Erwachsenenbildung widmete sich unter der Leitung des Kommissionsvorsitzenden Boris Brokmeier (Mariaspring – Ländliche Heimvolkshochschule e. V.) vor allem zwei inhaltlichen Schwerpunkten: Das Thema „Generationswechsel in ehrenamtlichen und hauptamtlichen Strukturen“ fokussierte Fragen der Organisationsentwicklung bei den Bildungsträgern. Es konnten Erfahrungen ausgetauscht und strategische Überlegungen angestellt werden. Dabei wurden die verschiedenen Ebenen und Herausforderungen bedacht. Deutlich wurde, wie wichtig das Wissensmanagement ist: Wie transparent ist das institutionelle Wissen? Ist das Wissen gesichert? Gibt es Onboarding und Offboarding-Konzepte? Wie transparent ist die Kommunikation überhaupt? Hier können gute Impulse aus dem Kompetenzprofil für Fachkräfte der politischen Bildung gewonnen werden.
Auch das zweite Thema „Stärkung der pädagogischen Haltung in unsicheren Zeiten“ bot eine gute Verbindung zum Kompetenzprofil. Die zentralen Aspekte dieses Kompetenzbereiches wurden vorgestellt und diskutiert. Für die Kommissionsmitglieder war es zunächst wichtig, die verschiedenen Ebenen zu benennen: die individuelle Ebene, für die die „inneren Grenzen“, die „roten Linien“ wichtig sind, zu der aber auch die Handlungskompetenz, Offenheit und Mut gehört. Die professionelle Ebene kann mit den Begriffen Kontroversität, Multiperspektivität (Beutelsbacher Konsens, Frankfurter Erklärung) gefasst werden und verbindet sich natürlich unmittelbar mit der individuellen Ebene. Bei der institutionellen Ebene geht es um die Verständigung über und die Sichtbarkeit/Sichtbarmachung der institutionellen Werthaltung. Dieses Thema wird die Kommission weiter beschäftigen. Anhand konkreter Beispiele sollen Unterstützungsstrukturen identifiziert und die Personalentwicklung professionalisiert werden.
Kommission Europäische und Internationale Bildungsarbeit
Die Kommission Europäische und Internationale Bildungsarbeit tagte unter Leitung ihrer Vorsitzenden Anne Worrmann (Lernort Stadion e. V.) und Markus Rebitschek (Stiftung „Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar“). Im Mittelpunkt der Sitzung stand zum einen der Austausch über den aktuellen Stand der Verhandlungen zum nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU (2028–2034). Politische Bildung ist dabei in mehrerlei Hinsicht gefragt. Zum einen ist mit der Neugestaltung von Erasmus+ ein zentrales Programm politischer Jugend- und Erwachsenenbildung Gegenstand von Verhandlungen. Zum anderen entsteht dabei mit der Integration des Europäischen Solidaritätskorps (ESK) als dem europäischen Freiwilligendienst ins künftige Programm Erasmus+ für den Jugend- und den Erwachsenenbildungsbereich ein neues Mobilitätsprogramm, das Jugend/Junge Erwachsene, Bildung, Engagement und Mobilität fordert, aber auch neue Möglichkeiten non-formale Bildungswege zu gestalten eröffnet.
Den zweiten Teil der Kommissionssitzung bildete ein intensiver Austausch über die diversen Außenvertretungen und Gremienarbeit, die verschiedene Mitglieder der Kommission für die Strukturen politischer Bildung im deutschen und auch europäischen Kontext wahrnehmen. Fragen dabei waren bspw. die Verzahnung von Informationstransport in die Vertretungen und aus den Vertretungen. Die Vertretung fachlicher Positionen des Arbeitsfelds und verbandlicher Positionen des AdB, standen dabei im Fokus.
Kommission Geschlechterreflektierte Bildung
Die Kommission Geschlechterreflektierte Bildung tagte unter der Leitung ihrer Vorsitzenden Tanja Berger (HochDrei e. V. – Bilden und Begegnen in Brandenburg). Im Mittelpunkt standen ein Rückblick auf das Thema Dekolonialisierung und Feminismus. Insbesondere die Frage, wie dieser inhaltliche Schwerpunkt langfristig in der Arbeit der Kommission verankert werden kann, wurde diskutiert. Zudem wurde die Herbstsitzung vorbereitet, die sich dem Themenfeld Männlichkeiten widmen wird. Damit knüpft die Kommission an aktuelle fachliche Debatten an und setzte zugleich wichtige Impulse für ihre weitere Arbeit.
Im Rahmen des übergreifenden Schwerpunkts Qualifizierung und Professionalisierung in der politischen Bildung wurde zudem die Bedeutung der Themen Gender und Diversity vertieft diskutiert. Die Kommission betonte, dass geschlechterreflektierte und diversitätsorientierte Perspektiven keine Zusatzthemen sind, sondern zentrale Voraussetzungen professionellen pädagogischen Handelns. Sie tragen entscheidend dazu bei, Macht- und Ungleichheitsverhältnisse kritisch zu reflektieren, unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen und politische Bildung diskriminierungssensibel sowie teilhabeorientiert zu gestalten.
Neu in der Kommission ist Rabea Graf aus dem Heinz-Kühn-Bildungswerk, die die Runde künftig mit ihrer Expertise und Perspektive bereichern wird.
Kommission Verwaltung und Finanzen
In der Kommission Verwaltung und Finanzen stand ebenfalls das Thema Qualifizierung im Fokus, insbesondere in den Bereichen Verwaltung, Hauswirtschaft und Haustechnik. Die Sitzung wurde geleitet von den Vorsitzenden Ines Gerke-Weipert (Akademie Biggesee gGmbH) und Jocelyne Jakob (Internationales Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund e. V.). In der Diskussion ging es um gesetzliche Pflichten, moderne Ansprüche und deren Umsetzung. Da es für diese Themen ausschlaggebend ist, ob es sich um Träger mit Haus oder Träger ohne Haus handelt, wurden ein Peer-Learning in verschiedenen Gruppen ermöglicht.
Thematisiert wurden u. a.
- die komplexen Anforderungen an Stellen,
- die schnellen und kompakten Entwicklungen sowie
- der Wissenstransfer bei Eintritt in den Ruhestand und/oder bei Ende der Betriebszeit.
Darüber hinaus wurden auch die Schnittmengen zwischen Verwaltung und Pädagogik benannt:
- Kolleg*innen aus der Pädagogik müssen oft Verwaltungsaufgaben mit übernehmen.
- Kolleg*innen aus der Verwaltung sind selten gleichzeitig im pädagogischen Bereich tätig.
- Durch Digitalisierung verändert sich die Arbeit insbesondere in der Verwaltung. Abläufe werden angepasst, Arbeitsprozesse verändert und mitunter verkürzt. Dies wird sich in Zukunft noch stärker auf die Arbeit auswirken.
- Schutzkonzepte sind sowohl für die Verwaltung als auch die Pädagogik relevant, ebenso wie für die Träger mit Haus und ohne Haus.
Diese Themen und Entwicklungen werden die Kommissionsmitglieder weiterhin beschäftigen, zumal da immer wieder neue Herausforderungen zu erwarten sind. Interessant wäre es, inwieweit das Kompetenzprofil für Fachkräfte der politischen Bildung in diesen Prozessen unterstützend wirken kann. Das Thema Schutzkonzepte ist bei vielen Trägern aktuell besonders weit vorn auf der Tagesordnung. Auch hier konnten wichtige Impulse gegeben werden.
Fazit
Die Rückmeldungen der Kolleg*innen nach diesen drei intensiven Tagen waren sehr positiv. Besonders wertgeschätzt wird der Austausch und das Miteinander über die Kommissionen hinweg, der hohe praktische Nutzen der dem gemeinsamen Austausch zugemessen wird. Neue Netzwerke wurden geknüpft. Die Kolleg*innen freuen sich über neue Impulse für die Organisations- und Professionsentwicklung, über neue methodische Ansätze. Die Workshops haben zur Reflexion und zum Weiterdenken angeregt.
Das AdB-Kompetenzmodell wird als sehr wichtiges Instrument und besonderes Produkt wertgeschätzt. Es ist vielseitig anwendbar und lässt unterschiedliche Perspektiven zu. Es kann sehr gut für die Arbeit bei den Trägern und für Fortbildungen genutzt werden, so die Rückmeldungen.
Ein Fazit: „Die politische Bildung ist breit aufgestellt, hoch kompetent und motiviert.“ – So können wir weiterarbeiten!
Ein herzlicher Dank gilt dem Team vor Ort im GSI Bonn, dessen offene Hausatmosphäre wesentlich zu einer angenehmen und produktiven Tagung beitrug. Zum Auftakt der Sitzung hatte Wilfried Klein, Vorstand und Leiter des GSI, alle Kommissionsmitglieder begrüßt.
Ihre Ansprechperson
Sebastian Bock
Stellvertretende Geschäftsführung, Bereichsleitung Kinder- und Jugendbildung
Telefon: +49 30 40040115
E-Mail: bock [at] adb.de (bock[at]adb[dot]de)