„Eine Führung ist immer ein Gespräch!“ Gedenkstättenarbeit als Fokus in der politischen Erwachsenenbildung
„Eine Führung ist immer ein Gespräch!“ – so der Gedenkstättenpädagoge Christian Marx bei seiner Begrüßung in der Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel. Auf dieses Gespräch haben sich die Mitglieder der AdB-Fachkommission Erwachsenenbildung bei ihrem thematischen Schwerpunkt eingelassen.
Am 24. und 25. September 2026 waren die Mitglieder der AdB-Fachkommission Erwachsenenbildung zu ihrer Herbstsitzung bei der Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz zu Gast, einem Ort der Begegnung, besonders für jüdische und nichtjüdische Menschen.
Neben den zur Kommissionsarbeit gehörenden Formalia und immer wiederkehrenden Programmpunkten – wie z. B. der Austausch über bildungspolitische Entwicklungen auf Bundesebene, bei der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und im Verband selbst –, nahmen sich die Kommissionsmitglieder ausführlich Zeit, um über die Ergebnisse der Landtagswahlen 2026 zu diskutieren und sich über die Lage in den Bundesländern und bei den Einrichtungen auszutauschen. Deutlich wurde die Notwendigkeit, über die Ergebnisse der Landtagswahlen hinausgehend zu diskutieren, wo die Konfliktlinien in der Gesellschaft – und gerade auch in den ostdeutschen Bundesländern liegen. Wen erreichen wir mit der politischen Erwachsenenbildung? Wie können wir noch besser mit den Gesprächsbereiten ins Gespräch kommen? Aber auch: Was bedeuten die Ergebnisse der Landtagswahlen konkret für die politische Bildung? Hier braucht es eine Stärkung der strukturellen Ebene in den Bundesländern, aber auch auf institutioneller Ebene: Wie können wir unsere Haltung sichtbarer machen, Verbündete suchen und Solidarität mit anderen zeigen?
Höhepunkt der Kommissionssitzung war der Besuch der Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde im Gedenken an die nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen in der T4-Tötungsanstalt in Brandenburg an der Havel. Mit einer beeindruckenden inklusiven Führung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten, unterstützt vom Gedenkstättenpädagogen Christian Marx, bekamen die Kommissionsmitglieder einen Einblick in die Gedenkstätte, die 2012 eröffnet wurde, und in die Geschichte des Ortes. Seit 10 Jahren arbeitet die Gedenkstätte mit den Guides aus der Werkstatt der Lebenshilfe Brandenburg – Potsdam zusammen und macht damit die besten Erfahrungen.
Vor allem die sehr berührenden Berichte zu den Opfer-Biografien und die Berichte von Menschen, die Widerstand geleistet haben, werden im Gedächtnis bleiben. Nicht zuletzt auch, weil immer die Fragen mit im Raum standen: Wie wäre es mir selbst in dieser Zeit ergangen? Was hätte ich getan? Hätte ich Widerstand geleistet?
Durch die Führungen an diesem furchtbaren Verbrechensort bekommen die Opfer ein Gesicht und werden Täter benannt. Mit Hilfe von Dokumenten wird belegt, dass es auch Spielräume gegeben hätte und die Täter nicht zu ihrem Handeln gezwungen waren.
In einem Abschlussgespräch mit den Guides, dem Gedenkstättenpädagogen und den Kommissionsmitgliedern konnten alle noch einmal die Stationen und Gesichter der Führung Revue passieren lassen und sichtbar machen, was sie besonders beeindruckt hat, woran sie sich erinnern werden.
Die Kommissionsmitglieder werden das Thema Gedenkstättenarbeit als Fokus in der politischen Erwachsenenbildung immer wieder aufgreifen und diskutieren, wie die Gedenkorte noch besser in die politische Bildung integriert werden können.