Das Fediverse – Social Media demokratisch und partizipativ?
Social Media prägt unsere Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, doch zentrale Plattformen stehen immer wieder in der Kritik: Datenschutzbedenken, intransparente Algorithmen und mangelnde Mitbestimmung sind nur einige der Herausforderungen. Doch es gibt Alternativen!
Im Rahmen der Online-Fortbildungsreihe „Digitale politische Bildung“ lud der AdB am 18. Dezember 2025 zu einer 1,5-stündigen Einführung in das dezentral organisierte „Fediverse“ ein. Das Fediverse, ein Kofferwort aus „Federated“ und „Universe“, umfasst eine Vielzahl von unabhängigen Social-Media-Plattformen, die jedoch übergreifend vernetzt sind.
Zunächst besprachen die Teilnehmenden der Fortbildungen die Herausforderungen bei den großen kommerziellen Plattformen: Jede der Plattformen steht isoliert für sich und Nutzende sind gezwungen alle Änderungen und Entwicklungen mitzumachen, um ihren Zugang nicht zu verlieren. Teilweise unangekündigte und willkürlich erscheinende Kontosperrungen bringen nicht nur Unsicherheit, sondern bedeuten oft auch den Verlust über eigene Inhalte.
Anders als die Sozialen Plattformen von großen Big-Tech-Firmen stehen im Fediverse die Interessen der Nutzenden im Vordergrund. Auf Algorithmen, die polarisierende Beiträge bevorzugen, wird verzichtet. Man kann sich darauf verlassen, dass Follower chronologisch alle Beiträge sehen können und die Systeme nicht zur Datenauswertung und Profiling der Teilnehmenden dienen.
Dank offen entwickelter und frei installierbarer Software wie z. B. Mastodon, Hubzilla, Pixelfed oder Peertube werden auch kleinere Träger, Vereine und Interessengruppen in die Lage versetzt, eine eigenständige Social-Media-Plattform zu betreiben. Ihr Server kann sich dabei dank des „ActivityPub“-Standards mit Teilnehmenden anderer Fediverse-Plattformen vernetzen. Schnell installierte ActivityPub-Plugins für bestehende Wordpress- oder Drupal-Websites ermöglichen den Betrieb sogar ohne großen Aufwand.
Jede Fediverse-Instanz vereinbart selbst, welche Verhaltensregeln für alle Teilnehmenden gelten. Im Netzverbund können bewusst „trollende“ Instanzen auch komplett ausgeschlossen werden. Zu den Herausforderungen der Content-Moderation und dem Umgang mit extremistischen Inhalten gab die Fortbildung Beispiele anhand von diaspora* und Peertube.
Neben der Vorstellung in generelle Konzepte des Fediverse erhielten die Fortbildungsteilnehmenden zudem einen Überblick über die Vielzahl der Fediverse-Systeme und deren Besonderheiten.
Zum Ende der Fortbildung war klar: Die Nutzung des Fediverse erfordert in manchen Bereichen ein Umdenken für die Nutzer*innen – von Fragen der Instanz-Auswahl über die Fragen der Zielgruppen-Erreichung bis hin zur ungewohnten Möglichkeit systemübergreifend zu kommunizieren. Dieses Umdenken wird belohnt mit einer selbstbestimmteren Social-Media-Aktivität, tendenziell spannenderen Online-Diskussionen und generell einem Schritt zu mehr digitaler Souveränität. Ausprobieren lohnt sich.
Ihre Ansprechperson
Tim Schrock
Referent für digitale politische Bildung
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