“Demokratie
braucht
politische Bildung”

Die Rolle der politischen Erwachsenenbildung für die Entwicklung der Demokratie

AdB-Fachkommission Erwachsenenbildung bei ihrer Online-Frühjahrssitzung 2021
Foto: AdB
19.03. 2021

Kommission Erwachsenenbildung trifft sich zu ihrer Online-Sitzung

Am 17. und 18. März 2021 trafen sich die Mitglieder der Kommission Erwachsenenbildung zu einer Online-Sitzung, da ein Treffen vor Ort leider (noch) nicht möglich war. Die Agenda war sehr gut gefüllt. Trotz der spannenden Inputs waren sich alle einig, dass die Zeit für eine ausreichende Auseinandersetzung mit den Themen zu kurz war und es wichtig ist, die Gespräche weiter zu vertiefen, die Gedanken zu schärfen und sich die Zeit für eine tiefere inhaltliche Durchdringung der Themen zu nehmen. Auch die Zeit für informelle Gespräche fehlte allen sehr.

 

In einer ersten Austauschrunde wurde die aktuelle Lage in den Bundesländern und in den Einrichtungen vorgestellt. Die Kolleg*innen schilderten ihre Situation. Besondere Sorgen machen sich die Kolleg*innen um die freien Mitarbeiter*innen, die bisher keine Überbrückungshilfen bekommen. Diese orientieren sich zum Teil neu und gehen damit den Einrichtungen verloren. Die Einrichtungen selbst haben die Zeit genutzt, um Konzepte und Internetauftritte zu überarbeiten, digitale Lösungen zu finden, sich selbst fortzubilden, die Kontakte mit Interessent*innen, Freunden und Verbänden zu halten und – gerade auch durch die Online-Formate – neue Zielgruppen zu gewinnen.

 

Ein thematischer Schwerpunkt der Kommissionssitzung war die Entwicklung der politischen Bildung nach 1945. Für einen Vortrag mit dem Titel "Die demokratische Erziehung Deutschlands. Von der Reeducation zur politischen Erwachsenenbildung" konnte Professorin Dr. María do Mar Castro Varela von der Alice Salomon Hochschule Berlin gewonnen werden. In ihrer Forschung versucht sie jüdische Studien, Holocaust-Studies mit postkolonialen Theorien zusammenzudenken. Ausgehend von Adornos Studien zum autoritären Charakter prüft sie – zusammen mit Prof. Dr. Liliana Ruth Feierstein von der Humboldt Universität zu Berlin – in einem Projekt die Übertragbarkeit zu postkolonialen Ansätzen. Wie kann die historische Perspektive für die politische Bildung nutzbar gemacht werden? Die Referentin berichtete von ihrer Forschung und zog Parallelen zu aktuellen Entwicklungen.

 

In den Reeducation-Programmen ging es darum, Menschen für die Demokratie vorzubereiten, sie an der Demokratie partizipieren zu lassen. Eine demokratische Bildungsarbeit sollte helfen, den Nationalsozialismus zu überwinden. Wenn heute ein Projekt der politischen Erwachsenenbildung zur Stärkung der Vielfalt durchgeführt wird und migrantischen Menschen eine wichtigere Position gegeben werden soll, sei das etwas, was damals bereits angelegt worden sei, so die Referentin. Auch damals sei es darum gegangen, Minderheiten erst einmal wahrzunehmen, ihre Rechte zu respektieren und eine faire, ehrliche Gesellschaft zu ermöglichen. Aufgabe sei es heute, Räume, in denen wir tätig sind, als Kontaktzonen zu sehen und rassistische Grenzziehung ins Wanken zu bringen.

 

Hier konnte eine Verbindung zum 16. Kinder- und Jugendbericht gezogen werden, in dem das Raumkonzept von Martina Löw zugrunde gelegt wurde: In welchen Räumen haben Menschen die Möglichkeit, sich demokratisch zu bilden? Ist es die Aufgabe der politischen Bildung, dafür zu sorgen, dass Bildungsstätten plurale Räume sind?

 

Ein zweiter Schwerpunk der Sitzung war das Thema "Neutralität" und Politische Bildung. Zu Gast war Christine Reich, Geschäftsführerin der Jugendbildungsstätte Kurt-Löwenstein. Sie berichtete aus den Erfahrungen der Jugendbildungsstätte mit massiven Angriffen von rechts und dem Versuch, der Bildungsstätte die Fördermittel zu entziehen. Wichtig sei eine gute Vernetzung mit anderen Einrichtungen, die Unterstützung des mobilen Beratungsteams und der Opferperspektive, ebenso die Unterstützung durch die Politik und ein breites Presseecho. Deutlich werde, so die Referentin, dass sich bestimmte Diskussionen und Werthaltungen verschieben. Auch deshalb sei es wichtig, die Diskurse zu Linksextremismus, Rechtextremismus und Neutralität immer wieder zu führen und die Deutungshoheit nicht zu verlieren. Wichtig sei es, im AdB über diese Themen zu reden, aber auch, über die Erfahrungen der Einrichtungen zu berichten.

 

In einem dritten Schwerpunkt wurde der Austausch zum Thema Rassismuskritik fortgeführt, die Fortbildung im September 2020 ausgewertet und wurden weitere Prozesse geplant.

 

Diese drei großen Themen konnten an diesen zwei Tagen nur angerissenen werden. Aufgabe der Kommission ist es nun, zu überlegen, wie diese weiterbearbeitet werden können und die Kommission ihre Erkenntnisse in den Verband hinein kommunizieren kann.