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Policy Paper: Bildungsstätten resilient für den Klimawandel machen. Handlungsbedarf und Unterstützungsmöglichkeiten

Der Klimawandel stellt Bildungsstätten vor immense Herausforderungen, die sowohl bauliche als auch inhaltliche Anpassungen erfordern. Um Bildungsstätten zukunftsfähig zu machen, sind Investitionen in die Infrastruktur sowie in die Bildung und Qualifizierung von Personal notwendig. Dieses Policy Paper soll helfen, die wesentlichen Handlungsfelder zu identifizieren und formuliert einen Forderungskatalog an die Politik.

Policy Paper

Bildungsstätten resilient für den Klimawandel machen 
Handlungsbedarf und Unterstützungsmöglichkeiten

Der Klimawandel stellt Bildungsstätten vor immense Herausforderungen, die sowohl bauliche als auch inhaltliche Anpassungen erfordern. Um Bildungsstätten zukunftsfähig zu machen, sind Investitionen in die Infrastruktur sowie in die Bildung und Qualifizierung von Personal notwendig. Dieses Policy Paper soll helfen, die wesentlichen Handlungsfelder zu identifizieren und formuliert einen Forderungskatalog an die Politik.

1. Bildungsstätten als Vorreiter für Klimaanpassung
Bildungsstätten sind Orte des Lernens und soziale Räume, die eine Vorbildfunktion im Umgang mit dem Klimawandel einnehmen können. Um dieser Rolle gerecht zu werden ist es unerlässlich, dass die bauliche Infrastruktur den Herausforderungen des Klimawandels angepasst wird. Die Herausforderungen sind dabei in Deutschland regional unterschiedlich. In Ostdeutschland sind es beispielsweise Trockenheit und Hitze, im Süden wiederum eher Starkregenereignisse sowie im Norden Vorkehrungen gegen Hochwasser und Sturm.

1.1 Investitionen in denkmalgeschützte Gebäude
• Herausforderung: Viele Bildungsstätten befinden sich in denkmalgeschützten Gebäuden oder in älteren Bestandsgebäuden, die für die klimatischen Herausforderungen nicht ausreichend gerüstet sind. Die Anpassung dieser Gebäude ist komplex und erfordert spezielle bauliche Maßnahmen.
• Forderung: Es bedarf gezielter Förderprogramme, die die Sanierung und Anpassung insbesondere denkmalgeschützter Gebäude an den Klimawandel unterstützen. Diese Programme sollten so flexibel sein, dass sie den spezifischen Anforderungen denkmalgeschützter Bauten und älteren Bestandsgebäuden gerecht werden.

1.2 Bildung zu Klimaanpassungsmaßnahmen
• Bildung für Klimaanpassung: Bildungsstätten sind nicht nur Orte der Bildung über den Klimawandel, sondern wollen auch die praktische Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen vorleben. Dies beinhaltet u.a. die Vermittlung von Wissen über den ökologischen Fußabdruck, den Einsatz erneuerbarer Energien und weitere effiziente technologische Lösungen und deren Chancen und Risiken.
• Dialog über technische Lösungen fördern: Eine erfolgreiche Klimaanpassung erfordert einen konstruktiven Austausch zwischen den technisch Verantwortlichen, dem Personal und den Nutzer*innen. Bildungsstätten bieten dabei ideale Plattformen, die den Austausch und das gemeinsame Lernen fördern.
• Forderung: Bildung für Klimaanpassung und eine lebenswerte Zukunft für alle muss weiterhin gefördert und in Programmen finanziert werden. Es darf keine Kürzungen im Bundeshaushalt in diesem Bereich geben. Im Gegenteil, die Mittel sollten in diesem Bereich aufgestockt werden.

2. Einbindung vulnerabler Gruppen und regionaler Besonderheiten
Kinder, ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen und Behinderungen gehören zu den vulnerabelsten Gruppen im Kontext des Klimawandels. Der Anteil dieser Gruppen an der Gesamtbevölkerung ist nicht zu unterschätzen und steigt stetig. Bildungsstätten mit dem Anspruch, inklusiv und ganzheitlich für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu sein, spielen eine entscheidende Rolle für den Schutz dieser Gruppen und für die Aufgabe, sie in Klimaanpassungsstrategien einzubinden.

2.1. Schutz und Anpassung für vulnerable Gruppen
• Herausforderung: Die genannten Gruppen sind besonders anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels wie extreme Hitze oder unzureichende Wasserversorgung. Bildungsstätten mit dem Anspruch eines inklusiven Bildungsangebotes sollten Konzepte umsetzen, um die Bedürfnisse dieser Gruppen adäquat zu berücksichtigen.
• Forderung: Bildungsstätten müssen in die Lage versetzt werden, ihre Schutzkonzepte anzupassen um so sicherstellen zu können, dass die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen bei der Klimaanpassung berücksichtigt werden. Dies beinhaltet z.B. die Bereitstellung geeigneter Lern- und Aufenthaltsräume. Für diese Umsetzung benötigen die Bildungsstätten ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen.

2.2. Regionale Besonderheiten berücksichtigen
• Herausforderung: Die Klimaanpassung muss regional spezifisch erfolgen, da die Auswirkungen des Klimawandels unterschiedlich ausfallen. Bildungsstätten wollen daher regionale Bildungsprogramme entwickeln, die lokale Klimarisiken adressieren und an die regionalen Bedürfnisse angepasst sind.
• Forderung: Es sind regionale Bildungsprogramme notwendig, die auf die spezifischen Auswirkungen des Klimawandels vor Ort eingehen und gleichzeitig globale Wechselwirkungen in den Blick nehmen. Dies erfordert die finanzielle Unterstützung von Akteur*innen sowie die Förderung eines Netzwerks von Expert*innen, um praxisnahe und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

3. Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), globales Lernen und politische Bildung
Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), globales Lernen und politische Bildung sind zentrale Bestandteile, um unsere Gesellschaft auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten. BNE verbindet dabei immer lokale und globale Aspekte und fragt nach der politischen und gesellschaftlichen Dimension. Dazu gehört auch eine dekoloniale Perspektive und die Bereitschaft, von Klimaanpassungsmaßnahmen des Globalen Südens zu lernen, da hier die Klimakrise schon längst angekommen ist. Bildungskonzepte, die diese Aspekte berücksichtigen, müssen in Bildungsstätten verankert werden, um ein tiefes Verständnis für globale Zusammenhänge und individuelle Handlungsmöglichkeiten zu schaffen.

3.1. Integration von BNE und globalem Lernen
• Herausforderung: Bildungsstätten wollen BNE und globales Lernen systematisch in ihre Bildungsprogramme integrieren. Dies fördert ein Bewusstsein für globale Klimazusammenhänge und stärkt das Verständnis für die Verantwortung, die jede*r Einzelne tragen kann.
• Forderung: Politisch Verantwortliche sind gefordert Programme aufzulegen, die die Verbindung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), globalem Lernen und politischer Bildung fördern sowie die Entwicklung und Verbreitung von entsprechenden Bildungsmaterialien unterstützen.

3.2. Förderung politischer Bildung
• Herausforderung: Es ist ein Anliegen politischer Bildung allen Menschen das notwendige Rüstzeug zu geben, um sich aktiv in den kommunalen, nationalen und internationalen Klimadiskurs einzubringen und somit an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen.
• Forderung: Es bedarf einer verstärkten Förderung politischer Bildung, die Klimawandel und Klimapolitik als zentrale Themen behandelt und die befähigt, sich kritisch und konstruktiv in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Hierzu gehört auch die Förderung der Aus- und Weiterbildung von politischen Bildner*innen.

4. Forderungskatalog an die Politik
1. Förderprogramme für bauliche Anpassungen: Es braucht die Einrichtung spezifischer Förderprogramme zur Sanierung und Klimaanpassung von Bildungsstätten, insbesondere denkmalgeschützter Gebäude.
2. Schutz vulnerabler Gruppen: Bildungsstätten sind in die Lage zu versetzen, die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen aufzugreifen, umzusetzen und spezifische Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
3. Unterstützung regionaler Klimaanpassungsstrategien: Es müssen Bildungsprogramme entwickelt und gefördert werden, die auf regionale Klimarisiken zugeschnitten sind.
4. Förderung von BNE, globalem Lernen und politischer Bildung: Bildungsstätten müssen finanziell und strukturell dabei unterstützt werden alle drei Bildungsbereiche in ihre Programme zu integrieren.
5. Stärkung der Zusammenarbeit: Bildungsstätten sind Partner für politisch Verantwortliche beim Umgang mit der Klimakrise. Der Austausch sollte verstärkt werden, um Ziele gemeinsam schneller und besser zu erreichen

5. Unsere Unterstützung
Der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB) bietet gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen Unabhängiges Institut für Umweltfragen e. V. (UfU) und Villa Fohrde Bildungs- und Kulturhaus e. V. Expertise und Erfahrung an, um die notwendigen Anpassungen und Bildungsangebote mit zu entwickeln und umzusetzen. Mit der richtigen politischen Unterstützung und den notwendigen Ressourcen können wir gemeinsam sicherstellen, dass Bildungsstätten sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen können, um Orte des Lernens und auch Vorreiter in der Klimaanpassung zu werden.

Ihre Ansprechperson

Sebastian Bock
Sebastian Bock

Sebastian Bock

Stellvertretende Geschäftsführung, Bereichsleitung Kinder- und Jugendbildung

Telefon: +49 30 40040115

E-Mail: bock [at] adb.de (bock[at]adb[dot]de)