“Demokratie
braucht
politische Bildung”

Politische Bildung mit jungen Geflüchteten gemeinsam gestalten

Foto: Ev. Trägergruppe
4.04. 2018

Zweites Vernetzungstreffen von „Empowered by Democracy“ hat in Bielefeld stattgefunden

Was kann angesichts der Lebens- und Rechtssituation junger Geflüchteter „Empowerment“ für die politische Bildung bedeuten? Wie kann politische Bildung mit jungen Geflüchteten trotz vieler offenkundiger Widersprüchlichkeiten in Deutschland glaubwürdig gestaltet werden? Zu diesen und weiteren Fragen und Themen tauschten sich die Teilnehmenden am zweiten Vernetzungstreffen des Projekts „Empowered by Democracy“ aus.

 

Etwas mehr als ein Jahr alt war das Projekt „Empowered by Democracy“ als am 20. und 21. März 2018 fünfundzwanzig politische Bildner/-innen aus Einrichtungen der fünf am Projekt beteiligten Verbände zum zweiten Vernetzungstreffen im Haus Neuland in Bielefeld zusammenkamen.

 

Zu Beginn des zweitägigen Treffens standen zunächst das gegenseitige Kennenlernen und der kollegiale Austausch über die im Rahmen von „Empowered by Democracy“ geplanten Maßnahmen im Mittelpunkt. Einige der Teilnehmenden hatten sich bereits auf dem ersten Vernetzungstreffen im Oktober 2017 in Berlin kennengelernt, der überwiegende Teil war jedoch zum ersten Mal dabei. Nach einem Austausch in regionalen Kleingruppen, wurde ein Austausch zu den Themen „Rahmenbedingungen“, „Zielperspektiven“, „Vernetzung und Kooperation“ und „Bedarfe“ in der politischen Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten initiiert, bei dem bereits erste spannende Diskussionen aufkamen.

 

Nach einer kurzen Darstellung des Projektstandes und der weiteren Planung für 2018, folgte ein thematischer Input. Bernd Holthusen, Leiter der Fachgruppe „Angebote und Adressaten in der Kinder- und Jugendhilfe“ im Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München, stellte unter dem Titel „Lebenslagen, Bedarfe und Perspektiven junger Geflüchteter“ Auszüge aus der Studie „Ankommen nach der Flucht“ des DJI vor. Eindrücklich zeichnete er ein Bild der Lebenssituation junger begleiteter und unbegleiteter Geflüchteter in Deutschland und ihrer Bedürfnissen, Ängste und Hoffnungen nach. Qassim Alhumayyer, einer der Teilnehmenden, der selbst aus Syrien geflohen ist, kommentierte und bestätigte die Ergebnisse der Studie und berichtete von seinen eigenen Erfahrungen bei seiner Ankunft in Deutschland.

 

Der Vormittag des zweiten Tages widmete sich dann der Frage, wie und was politische Bildung vor dem Hintergrund der von Bernd Holthusen dargestellten zwar heterogenen aber häufig auch prekären Situation junger Geflüchteter beitragen kann. Bereits beim ersten trägerübergreifenden Vernetzungstreffen wurde als Teil eines BarCamps die Frage diskutiert, was „Empowerment“ im Projekt und in der Arbeit mit der Zielgruppe junger Geflüchteter bedeuten kann und auch, ob und wie Empowerment durch politische Bildung möglich ist, ohne dabei die im Beutelsbacher Konsens gefassten Prinzipien und den Auftrag von politischer Bildung zu verletzen.

 

Unter dem Titel „Empowerment von Minderheiten durch politische Bildung“ wurde diese Auseinandersetzung mit zwei Inputs und anschließender Diskussion fortgesetzt. Astrid Hoffmann, Dozentin an der Technischen Universität Dortmund am Lehrstuhl für die Didaktik der Sozialwissenschaften, zeigte in ihrem Input auf, dass und wie politisches Handeln Teil von Formaten der politischen Bildung sein kann, ohne dass dies im Widerspruch zum Beutelsbacher Konsens stehen muss. Halil Can, Politikwissenschaftler, Lehrbeauftragter an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin im Studienbereich Diversity Studies und Empowermenttrainer, betonte in seinem Input, dass Empowerment nur erreicht werden kann, wenn dies mit einem Bewusstwerden für gesellschaftliche Machtstrukturen und dem Willen zum Aufbrechen dieser Strukturen einhergeht („Empowersharing“). In der anschließenden spannenden Diskussion zeigte sich aber auch, dass politische Bildner/-innen bereits mit vermeintlich kleinen Gesten, wie beispielsweise dem zur Verfügung stellen von geschützten Räumen, einen Beitrag zu Empowermentprozessen leisten können.

 

Im abschließenden Teil des Treffens widmeten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen der Aufgabe herauszufinden, wie und welche Themen in den Wissenstransfer im Projekt einfließen sollen.

 

Aktuelle Meldungen zu den einzelnen Maßnahmen und Veranstaltungen des Projekts sind auf der Homepage des Projektes zu finden.

 

Zum Projekt:

Empowered by Democracy“ zielt darauf ab, mehr junge Menschen mit Fluchthintergrund als Zielgruppe in die Jugendbildungsmaßnahmen der AdB-Mitgliedseinrichtungen einzubeziehen sowie noch stärker Jugendliche mit Migrationshintergrund in die Bildungsarbeit einzubinden. Darüber hinaus sollen junge Geflüchtete ermutigt und dazu befähigt werden, selbst Teamerinnen und Teamer zu werden und sich in selbst gewählten Formaten der politischen Bildung mit Themen aus ihrem Lebensumfeld auseinanderzusetzen.

 

Das Projekt realisiert der AdB im Verbund mit vier weiteren Mitgliedern der Gemeinsamen Initiative der Träger Politischer Jugendbildung (GEMINI) im Bundesausschuss politische Bildung (bap e. V.). Es wird aus Mitteln des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.