Leitlinien für starke, demokratische & diversitätssensible Veranstaltungen
Der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. (AdB) möchte bei seinen Veranstaltungen gemeinsam mit den Teilnehmenden dafür sorgen, dass sich alle Anwesenden sicher und gehört fühlen können. Die in diesem Konzept beschriebenen Aspekte sollen dabei unterstützen, während der Veranstaltung gemeinsam einen respektvollen und achtsamen Raum zu gestalten. Wir möchten alle bitten, auf sich und auf andere zu achten.
Da diversitätsbewusste Veranstaltungsorganisation ein fortlaufender Lern- und Veränderungsprozess ist, freuen wir uns über Feedback und konstruktive Tipps dazu.
Wir legen Wert auf einen respektvollen, diskriminierungskritischen und solidarischen Austausch und Umgang miteinander. Wir sind uns bewusst, dass es keine diskriminierungsfreien Räume gibt.
Formate der politischen Bildung wie auch unsere Veranstaltungen sehen wir als Lernräume, in denen der kritische Blick, die Reflexion, aber auch die Fehlerfreundlichkeit grundlegend sind. Explizite, absichtlich demokratiefeindliche, rassistische, antisemitische, sexistische, queerfeindliche, ableistische, adultistische oder andere menschenverachtende Aussagen und Verhaltensweisen werden jedoch nicht geduldet.
Wir behalten uns vor, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die gegen diese Grundsätze wiederholt verstoßen, sowie Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschließen.
Grundsätzlich gilt: Menschen nehmen Handlungen und Aussagen unterschiedlich wahr, haben unterschiedliches Vorwissen und unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Bedürfnisse und Ressourcen. Die nachfolgenden Leitlinien sollen helfen, vor dem Hintergrund dieses Wissens wertschätzend zu diskutieren, Kontroversen konstruktiv auszutragen und gemeinsam gut zu arbeiten.
Wir bitten alle Teilnehmenden, diese zu beachten und gemeinsam mit uns diese Veranstaltung in diesem Sinne zu gestalten.
Leitlinien:
Offener Austausch: Raum für konstruktive Diskussionen mit inhaltlichem Fokus
- Wir führen einen konstruktiven Dialog zwischen unterschiedlichen Menschen.
- Wir laden dazu ein, sich mit Offenheit und Respekt auf andere Perspektiven einzulassen und die Würde aller Menschen zu achten.
- Wir benutzen eine möglichst verständliche Sprache und erklären tendenziell unbekannte Fachwörter und Abkürzungen.
Respektvolle Streitkultur: Kritik bezieht sich auf Inhalte, nicht auf Personen.
- Diskussionen können und sollen kontrovers sein, aber Kritik richtet sich an Inhalte und Positionen, nicht an Personen.
- Wir streiten sachlich, nicht persönlich.
Grenzen achten: Jede Person definiert ihre eigenen Grenzen. Diese werden respektiert.
- Jede Person hat individuelle Grenzen und Bedürfnisse. Die Definitionsmacht über eine Grenzverletzung liegt bei der betroffenen Person. Diese Grenzen zu respektieren ist die Voraussetzung für einen achtsamen Austausch.
- Wir achten darauf, mit unserem Verhalten nicht Grenzen anderer Personen zu überschreiten.
Achtsamkeit & Unterstützung: Aufeinander achten, bei Konflikten Dritte hinzuziehen.
- Wir achten auf uns selbst und auf andere. Das kann vieles bedeuten: Individuelle Pausen, Bewegung, Getränke, aber auch Bedürfnisse äußern u.v.m.
- Falls Konflikte entstehen, können Dritte hinzugezogen werden.
Reproduktion vermeiden: Keine unreflektierte und unnötige Wiedergabe/ Wiederholung von diskriminierenden, gewaltvollen und verletzenden Aussagen. - Eine Reproduktion von rassistischen, diskriminierenden, gewaltvollen und anderen verletzenden Aussagen sollte grundsätzlich in Wortbeiträgen und in Visualisierungen (Präsentationen, Mitschriften, Kartensammlungen etc.) vermieden werden.
- Eine Reproduktion, um daraus etwas zu lernen, sollte nur mit Bedacht und entsprechender Rahmung und Kennzeichnung stattfinden. Vor einer Reproduktion nachdenken: Wer will/muss das hier hören? Wofür ist das nötig? Wie kann ich das achtsam rahmen?
Kultur des Zuhörens: Redeanteile bewusst gestalten, aktiv zuhören. - Wir nehmen Redeanteile bewusst wahr und sorgen für Ausgleich.
- Aktiv zuhören, statt nur auf die nächste eigene Wortmeldung zu warten: W.A.I.T. – Why Am I Talking? / Warum spreche ich gerade?
Respektvolle Ansprache: Gewünschte Anrede und Pronomen beachten. - Wir respektieren, wie jede*r Einzelne angesprochen werden möchte. Die genutzten Namensschilder sind eine hilfreiche Orientierung. Aber nicht alle Menschen sind mit dem Thema „Pronomen“ vertraut. Fehler können passieren – wichtig ist, Korrekturen ohne Diskussion anzunehmen.
Fehlerfreundlichkeit: Korrekturen annehmen, Lernen ermöglichen.
- Wir alle lernen. Fehler sind unvermeidlich und wir begegnen ihnen konstruktiv. Wir übernehmen die Verantwortung für unser Handeln.
- Rückmeldungen werden als Gelegenheit zur Reflexion und zum gemeinsamen Lernen verstanden.
- Lernen sollte nicht auf Kosten derer geschehen, die von Diskriminierung betroffen sind. Niemand ist verpflichtet eigene Verletzungen sichtbar zu machen oder Bildungsarbeit zu leisten. Wir übernehmen Verantwortung für uns selbst und andere.
Privilegien reflektieren: Ungleich verteilte Privilegien erkennen und berücksichtigen.
- Privilegien sind ungleich verteilt. Auch ohne bewusstes diskriminierendes Verhalten können sie dazu beitragen, dass andere benachteiligt werden. Wir möchten uns dieser Strukturen bewusst sein und sie reflektiert in unserem Handeln berücksichtigen.
Perspektivenvielfalt: Wer ist hier vertreten? Wer fehlt? Leerstellen reflektieren. - Wir fragen uns: Wer ist hier vertreten, wessen Perspektiven fehlen?
- Leerstellen in der Diskussion zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt zu mehr Solidarität und Emanzipation.
Störungen haben Vorrang: Ansprechen und klären statt ignorieren.
- Wenn Störungen ignoriert oder verleugnet werden, spielen sie sich selbst in den Vordergrund und behindern Lernen, Arbeit und Wachstum. Deshalb gilt es, sie ernst zu nehmen und soweit zu bearbeiten, bis die Person oder Gruppe wieder handlungs- und arbeitsfähig ist.
Wir danken allen Teilnehmenden für die Beachtung der Leitlinien!
Ihre Ansprechperson für Rückfragen und weitere Informationen: