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Interkulturelles Lernen in der politischen Bildung erfolgreich
Mit einer Tagung zur interkulturellen Bildung in Ostdeutschland endete das dreijährige Projekt des AdB „COMMUNIS – Gemeinsam lernen in der politischen Bildung“, die vom 7. bis 9. Juni 2010 in der thüringischen Jugendbildungsstätte Hütten stattfand.

Zunächst werteten die neun am Projekt beteiligten Bildungsträger und AdB-Mitgliedseinrichtungen ihre eigenen Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer aus und konnten dabei feststellen, dass fast alle angebotenen Fortbildungen zum interkulturellen Lernen in der politischen Bildung realisiert wurden. Besondere Nachfrage galt Fortbildungsangeboten, die den teilnehmenden Lehrkräften die Möglichkeit boten, Punkte für absolvierte Fortbildungen zu erwerben, und die in einer außerschulischen Bildungseinrichtung stattfanden.

Im weiteren Verlauf der Tagung stellte Boris Brokmeier, der das Projekt beim AdB leitete, erste Projektergebnisse vor. Demnach konnte der konzeptionelle Ansatz des ziel- und ergebnisorientierten Lernens in den Gruppen, die aus Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund bestanden, erfolgreich umgesetzt werden. Die Erfahrungen während der Gruppenprozesse und die präsentierten Ergebnisse, die den Grad der kooperativen Seminararbeit widerspiegelten, bestätigen diese Feststellung. Der interkulturelle Lernprozess war größtenteils nicht als Teil des Programms vorgesehen, sondern er vollzog sich als informelles Lernen, das in der Kommunikation über Seminarabläufe, die Gestaltung der Pausen und den Umgang mit Konflikten in der Gruppe zum Ausdruck kam. Darüber hinaus erfuhren die beteiligten Jugendlichen in den Veranstaltungen aber auch viel über die Kultur und die Lebenswelt ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Die Programmangebote innerhalb des Projekts führten zu einer deutlichen Erhöhung der Zahl der Teilnehmenden mit Migrationshintergrund, die im Durchschnitt bei 35 Prozent lag.
Das Thema „Interkulturelle Bildung in Ostdeutschland“ war ein Schwerpunkt im weiteren Verlauf der Veranstaltung. Elena Demke, Referentin für politische Bildung beim Berliner Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, führte in einem Vortrag über die Situation von Ausländern in der ehemaligen DDR in die Diskussion darüber ein. Sie stellte die drei wesentlichen Gruppen vor, die in der DDR als Ausländer lebten: Angehörige der Sowjetarmee, Vertragsarbeiter und – als kleinste Gruppe - politische Immigranten. Angehörige der Sowjetarmee und Vertragsarbeiter traten im Alltag der DDR nicht in Erscheinung und waren auch nicht in die Gesellschaft integriert, sondern wurden teilweise sogar als Bedrohung wahrgenommen. Die deutsche Bevölkerung in der DDR hatte nur wenig Erfahrung im Umgang mit Ausländern. Nach der friedlichen Revolution und dem Abzug der Sowjetarmee reduzierte sich die Zahl der Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund in den neuen Bundesländern auf rund 1,5 Prozent.
 
In der anschließenden Diskussionsrunde mit Vertreterinnen von Lehrerfortbildungsinstituten der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung und eines Wohlfahrtsverbandes wurden die aktuelle Situation und zivilgesellschaftliche Impulse zur Umsetzung interkulturellen Lernens in Thüringen beleuchtet und erörtert. Dabei wurden die Bemühungen der Schulen zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund deutlich. Sie verbinden das Lernen von Deutsch als Fremdsprache häufig mit Instrumenten interkulturellen Lernens, man bemüht sich um eine intensivere Elternarbeit. Die Grundlage für diese Bemühungen sind das Recht der Kinder auf einen Lernerfolg und die Verantwortung der Schule für Integration. Die Integrationsprozesse werden von der Landeszentrale für politische Bildung mit Angeboten von Seminaren zur Demokratie, die in Kooperation mit außerschulischen Bildungsträgern stattfinden, unterstützt.
Die vorgestellten Aktivitäten wurden in Kontext des COMMUNIS-Projekts diskutiert und Möglichkeiten einer stärkeren Kooperation schulischer und außerschulischer Träger erörtert. Die während des COMMUNIS-Projekts vertieften Kooperationen sollen, so die beteiligten Bildungsträger, auf alle Fälle auch nach dem Abschluss der Projektlaufzeit im Juli 2010 fortgesetzt werden.

Boris Brokmeier





Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. - Unabhängige Institutionen für politische Bildung und Jugendarbeit