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Zwei Länder, zwei Kulturen, eine Welt
Erster deutsch-chinesischer Jugendaustausch im AdB
22. - 28. August 2009, Akademie Biggesee |
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Zum ersten Mal führt der AdB zusammen mit der Akademie Biggesee unter der Leitung von Bernd Neufurth, einem pädagogischen Mitarbeiter des Hauses, einen deutsch-chinesischen Jugendaustausch durch. Die Besonderheit dieser Begegnung ist, dass hier die chinesischen Jugendlichen, die nicht dem staatlichen chinesischen Jugendverband angehören, eine Chance auf die Teilnahme bekommen haben.
Die chinesischen Gäste, Schüler der privaten Thomas Foreign Language School in Qingdao, trafen am 22. August 2009 in der Akademie Biggesee in Attendorn/Neu-Listernohl ein. Um 14.30 Uhr begann das Seminar zum Thema „Zwei Länder, zwei Kulturen, eine Welt“ mit einer ausführlichen Vorstellungsrunde, bei der die deutschen Jugendlichen mittels Partnerschaftsinterviews einen chinesischen Jugendlichen und umgekehrt in englischer Sprache vorstellten. Danach folgte die Arbeit in Kleingruppen. Beide Länder sollten mit ihren Stärken und Schwächen vorgestellt werden.
Die meisten deutschen Teilnehmenden waren erstaunt und verwundert, mit welcher Offenheit die chinesischen Jugendlichen Probleme ihres Landes benannten, wie zum Beispiel Korruption, Umweltverschmutzung, ungerechtes Bildungssystem, Überbevölkerung, wenig Individualismus und Kreativität in der Schule. Auf deutscher Seite ging es hauptsächlich um Probleme wie Arbeitslosigkeit, falsche Ernährung, Übergewichtigkeit, Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.
Als Stärken ihres Landes benannten die chinesischen Teilnehmenden die Kultur ihres Landes mit seiner langen Geschichte, das Streben nach Harmonie in ihrer Gesellschaft und die gesicherte materielle Existenzgrundlage. Die deutschen Jugendlichen hoben den Erfindergeist, den hohen technologischen Fortschritt, aber auch die Qualität des deutschen Bieres, der Automobilindustrie und den Fußball in Deutschland hervor.
Das Ergebnis dieses Diskussions- und Lernprozesses war die Erkenntnis, dass Unterschiede bei den Wünschen und Vorstellungen zwischen beiden Nationalitäten so gut wie nicht existieren. In allen Gruppen wurden sehr ähnliche Aussagen favorisiert. Dazu zählten Erhaltung der Umwelt, Gerechtigkeit und Toleranz, aber auch niemals aufgeben und sich für eigene Ziele einsetzen sowie Gleichberechtigung aller Menschen. Auffällig war nur, dass von keiner Gruppe die Karte mit der Aussage „in Frieden leben“ gewählt wurde. Auf Nachfrage der Seminarleitung erklärten die Jugendlichen, dies sei für sie deshalb nicht von so großer Bedeutung, weil man ja schon seit langem in Frieden leben würde und damit der Friede ja bereits existiere.
Zu den Aufgaben der Begegnung gehörte auch, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Welt in 30 Jahren aussehen könnte. Unter der Anwendung der Zukunftswerkstatt-Methode sollten die Jugendlichen darstellen, wie eine ideale Stadt der Zukunft ihrer Vorstellung entsprechend beschaffen sein müsse.
So entstanden fünf Städte mit teilweise völlig neuen Konzepten, wie zum Beispiel ohne Automobilverkehr, strikter Trennung zwischen Industrie-, Wohn- und landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder gar eine Stadt, die ohne Geld auskommt. Die Jugendlichen beider Länder zeigten hierbei große Kreativität, ohne allerdings den Boden zur Realität völlig zu verlieren, wie sich in den Auswertungsgesprächen zeigte. Nach der Meinung der Jugendlichen müsse angesichts der gerade stattfindenden weltweiten Finanzkrise grundsätzlich darüber nachgedacht werden, welche Rolle Geld in Zukunft spielen solle. Ohne Geld zu leben soll nur einen Denkanstoß in diese Richtung geben. Alle fünf Städte besaßen am Ende eine Verfassungsordnung, die von Deutschen und Chinesen gemeinsam entwickelt worden ist und die sich in der Gestaltung der Städte widerspiegelte.
Der erste deutsch-chinesische Jugendaustausch in der Akademie Biggesee verlief zur vollsten Zufriedenheit der beiden Teilnehmergruppen und der Seminarleitung.
Die deutschen Jugendlichen sind im Oktober 2009 zu Besuch im chinesischen Qingdao.
Die Begegnung wird durch BMFSFJ aus Mitteln des KJP International Sondermittel China gefördert.
Ansprechpartner im AdB ist Georg Pirker, Referent für internationale Arbeit
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